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Gambler's Fallacy beim Roulette – warum vergangene Ergebnisse irrelevant sind

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Der Gambler's Fallacy — auf Deutsch „Spielerfehlschluss" — ist einer der häufigsten Denkfehler beim Roulette:
die Annahme, dass vergangene Zufallsereignisse die künftige Wahrscheinlichkeit beeinflussen.
Eine mathematische Betrachtung anhand der Muster von einfachen Chancen am Beispiel des Münzwurfs:
Eine Münze wird geworfen — und zwar 4 mal.
Rein gefühlsmäßig würde man erwarten, dass jede Seite wahrscheinlich 2 mal vorkommt.

Also wird das überprüft:
Folgende 16 Kombinationen sind möglich (K = Kopf, Z = Zahl):
KKKK (0 mal Z), 1 Kombination, also Wahrscheinlichkeit = 1/16
ZKKK KZKK KKZK KKKZ (1 mal Z), 4 Komb., also Wkt. = 4/16
ZZKK ZKZK ZKKZ KZZK KZKZ KKZZ (2 mal Z), 6 Komb., also Wkt. = 6/16
KZZZ ZKZZ ZZKZ ZZZK (3 mal Z), 4 Komb., also Wkt. = 4/16
ZZZZ (4 mal Z), 1 Komb., also Wkt. = 1/16

Das lässt sich auch anders ausrechnen:
Die Wkt., 4 mal hintereinander Z zu treffen, ist (1/2) ^ 4 = 1/16. Gleiches Ergebnis.
( ^ = hoch, Exponent)

Tatsächlich ist es also am wahrscheinlichsten, dass 2 mal Z und 2 mal K kommt.
Oder anders ausgedrückt:
Es gibt mehr „gemischte" als „einfarbige" Reihen, also mehr Kombinationen mit 2 Z als mit 0 Z usw.

Warum vergangene Würfe irrelevant sind

Soweit, so klar. Nun sagen die „Anhänger des Glaubens" — ein klassischer Fall von Gambler's Fallacy — allerdings, dass man das zum Vorteil nutzen könnte.
Die Idee ist, 2 mal zu spielen, und wenn 2 mal K kommt, dann setzt man darauf, dass K nicht noch einmal kommt.
Das liegt daran, dass ursprünglich ausgerechnet wurde, dass 2 mal K wahrscheinlicher ist als 3 mal K.

Das Problem bei dieser Überlegung ist, dass bereits 2 mal gespielt wurde.
Von den oben genannten Kombinationen bleiben also nur noch die übrig, die mit KK anfangen:
KKKK (0 mal Z), 1 Kombination, also Wkt. = 1/4
KKZK KKKZ (1 mal Z), 2 Komb., also Wkt. = 2/4 = 1/2
KKZZ (2 mal Z), 1 Komb., also Wkt. = 1/4

Es ist also keineswegs so, dass jetzt noch zweimal Z, also KKZZ, wahrscheinlicher wäre als KKKK.
Tatsächlich sind beide Ereignisse gleich wahrscheinlich. Am wahrscheinlichsten ist jetzt ein mal K und ein mal Z.

Das lässt sich auch anders ausrechnen.
Die Wkt., 2 mal hintereinander Z zu treffen, ist (1/2) ^ 2 = 1/4. Gleiches Ergebnis.
Vor allem sieht man, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wie oft vorher K gefallen ist —
das ist der Kern des Gambler's Fallacy: die Unabhängigkeit von Zufallsereignissen.

Vielleicht denkt man nun:
OK, dann wird eben noch einmal geworfen, und wenn K kommt, setzt man auf Z und umgekehrt.
Angenommen, es fällt K.
Von den Kombinationen bleiben also nur noch die übrig, die mit 3 mal K anfangen:
KKKK, 1 Kombination, also Wkt. = 1/2
KKKZ, 1 Kombination, also Wkt. = 1/2

Nun sind die Kombinationen KKKK und KKKZ genau gleich wahrscheinlich — nämlich genau gleich der Wkt., K oder Z zu werfen, also 1/2.
Das lässt sich auch anders rechnen: Die Wkt., bei einem Wurf K zu treffen, ist (1/2) ^ 1 = 1/2.

Das gleiche lässt sich auch mit 30 Würfen machen.
Man braucht länger, um das aufzuschreiben, kommt aber zum gleichen Ergebnis.
Natürlich ist die Wkt., in 30 Würfen 30 mal K zu treffen, sehr gering, nämlich (1/2) ^ 30 (= 1/1.073.741.824 = 0,000.000.001)¹
Wenn aber schon 28 mal K geworfen wurde,
bleiben von den vielen ursprünglich möglichen Kombinationen nur diejenigen übrig, die mit 28 mal K beginnen:
28K+KK, Wkt. = 1/4
28K+KZ und 28K+ZK, Wkt. = 1/2
28K+ZZ, Wkt. = 1/4

28K+KK und 28K+ZZ sind also gleich wahrscheinlich.
Das lässt sich auch anders rechnen:
Es wird zweimal geworfen (was vorher gefallen ist, ist völlig irrelevant),
also ist die Wkt. für 2 mal K = (1/2) ^ 2 = 1/4. Wieder das gleiche Ergebnis.

Das Roulette-Beispiel

Nun sagt man vielleicht, das Roulettespiel ist kein Münzwurf.
Das Prinzip der Unabhängigkeit von Zufallsereignissen ist jedoch genau das Gleiche — man schreibt nur länger, wenn man alle möglichen Kombinationen aufschreiben will
(deshalb wird hier das Beispiel Münze verwendet), und die Wkt. ist (1/37) statt (1/2).
Ansonsten ist alles wie gehabt. Vorhergehende Würfe beeinflussen die Roulette-Wahrscheinlichkeit nicht.
Wer es nicht glaubt, kann alle möglichen Kombinationen in 10 Coups aufschreiben.

Und noch kurz zu dem Argument, dass man z. B. 5 Coups spielt und nicht nur einen:
Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass 5 mal hintereinander die 28 kommt. Das ist es aber immer, nämlich (1/37) ^ 5 (= 1/69.343.957 = 0,000.000.014)¹
Und zwar völlig egal, wie oft die 28 vorher gefallen ist.
Man gewinnt also rein gar nichts, indem man abwartet, bis die 28 fünfmal hintereinander gefallen ist — ein typischer Martingale-Denkfehler.
Man kann gleich von vornherein darauf setzen, dass die 28 nicht 5 mal hintereinander kommt.

Fazit

Es macht keinen Unterschied. Es ist exakt das Gleiche.
Vergangene Roulette-Ergebnisse beeinflussen künftige Wahrscheinlichkeiten nicht — das ist mathematisch beweisbar und der Kern des Gambler's Fallacy.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Michelangelo. ¹ Anmerkung des Verfassers.
Die ursprüngliche Version wurde überarbeitet. Quelle: DC's Campus

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Um die These des obigen Beitrags mit Fakten zu unterstreichen, wurden zwei Tests¹ gemacht:
2 × Rot dann 2 × Rot — Test über 10 Mio. Coups: Rendite -1,40 %, Bilanz -67.475
2 × Rot dann 2 × Schwarz — Test über 10 Mio. Coups: Rendite -1,38 %, Bilanz -66.593
Um die Zero-Teilung der einfachen Chancen zu ermöglichen, wurden jeweils 2 Stück gesetzt.

Ergänzend dazu ein Test² mit zufälliger EC:
2 × Rot dann 2 × Zufall-EC — Test über 10 Mio. Coups: Rendite -1,30 %, Bilanz -62.971

Schwankungen der Rendite von einigen hundertstel Prozent sind bei Langzeittests über 10 Millionen Coups durchaus normal.
Das Konzept eines „Marsches" ist also sehr fragwürdig.

¹,² erneuert 2026

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Hier sind die Live-Ergebnisse und Historien zweier Roulette-Strategien, die diese Muster verwenden (allerdings mit Verlustprogression nach dem Abwarten):
3x Black→Black
3x Red→Black

Die Tests im Rahmen der 20 × 50.000 Coups der öffentlichen Tests unterliegen etwas größeren Schwankungen als die obigen Tests mit 10-mal so vielen Runden.

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trizero:

Das Konzept eines „Marsches" ist also sehr fragwürdig.

Halt Trizero!
Du hast nur diese Märsche untersucht und verglichen!


Das bedeutet sicher nicht, dass alle Märsche vorteilslos sein müssen.
Präzision ist gefragt.


Gruß, Roland

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Du hast nur diese Märsche untersucht und verglichen!

Stimmt! Vielleicht sollte ich das nicht so unreflektiert verallgemeinern!
Danke für den Hinweis Roland.


Beste Grüße

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An dieser Stelle sei auf die Testergebnisse des Inaudi Wechselmarsch verwiesen.


Es ist zwar keine Roulettestrategie, die in der gezeigten Form nur im Gleichsatz operiert,
sie verwendet aber einen ziemlich Einsatz-freudigen Marsch.


Außerdem muss es ja einen Grund dafür geben,
wenn man auch heute noch Leute davon reden hört!? ;-)


Zumindest bisher legt der Inaudi Marsch erstaunlich gute Resultate an den Tag!

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trizero:

An dieser Stelle sei auf die Testergebnisse des Inaudi Wechselmarsch verwiesen.

...

Zumindest bisher legt der Inaudi Marsch erstaunlich gute Resultate an den Tag!

Na trizero,
kommst Du doch langsam ins Grübeln, was die Märsche angeht?


Der Aufbau der Strategie ist jedenfalls nichts für Neulinge in der Materie hier! ;-)
Gruß Roland

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Rovlgari:

Der Aufbau der Strategie ist jedenfalls nichts für Neulinge in der Materie hier! ;-)

Niemand hat behauptet, dass Roulette trivial ist!

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Rovlgari:

Der Aufbau der Strategie ist jedenfalls nichts für Neulinge in der Materie hier! ;-)

Niemand hat behauptet, dass Roulette trivial ist!

Doch da gibt es schon ein paar Spezialisten, die das behaupten,
aber vermutlich liegen die schlicht daneben!

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Wenn auch der DC's Campus gesunken ist,
dieser Beitrag über die mathematische Betrachtung des Roulette von Michelangelo ist gerettet!

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